Tesla und der Tote: Was bedeutet das für die Marke?

Seit letzter Woche steht der US-Konzern Tesla in der Kritik, nachdem es zum ersten Mal bei einer Fahrt des Model S mit „Autopilot“ zu einem tödlichen Unfall gekommen war. Während die Schuldfrage „Mensch vs. Maschine“ noch unbeantwortet ist, fällt die Tesla-Aktie nach Bekanntwerden des Unfalls deutlich ab. Tesla selbst beklagt den „tragic loss“ im Firmenblog. Was bedeutet dies für die Marke Tesla? Was heißt dies für das autonome Fahren?

Tesla gegen die Etablierten

Tesla ist bei seiner Gründung 2003 mit der klaren Mission gestartet, innovative und massenkompatible Antworten auf die zukünftigen Herausforderungen der Mobilität zu entwickeln. Mit Fortschritten bei e-Mobilität hat es Tesla kaum zehn Jahre danach bereits ganz nach oben auf der Forbes-Liste der innovativsten Unternehmen geschafft.

Gerade den deutschen Automobilherstellern wird Tesla häufig unter die Nase gerieben. Der Vorwurf: zu langsam, zu wenig innovativ, wenig bereit zum Wandel und hinter den Trends und großen Entwicklungen hinterher hechelnd.

Kann ein Toter diese Sicht ändern? Sind die deutschen Automobilhersteller wirklich nur langsam, oder handeln sie verantwortlich im Sinne der Fahrer, die sich auf ihr Auto im Straßenverkehr verlassen müssen?

Die Reaktion von Tesla und mögliche Folgen

Zunächst einmal ist die Reaktion von Tesla spannend. Der tödliche Unfall passierte im Mai, berichtet wurde darüber aufgrund des Drucks von anderer Seite erst jetzt. Wurden die Tesla-Fahrer informiert und nochmals dafür sensibilisiert, dass (teil-)autonomes Fahren noch seine Grenzen hat? Würden Sie sich als Tesla-Fahrer dies von einem verantwortlich handelnden Unternehmen wünschen?

Ist es die richtige Reaktion von Elon Musk, darauf zu verweisen, dass im Durchschnitt betrachtet die Statistik im Vergleich zu herkömmlichen Todesfällen mit Autos „gut“ ist? (für Tesla-Fahrzeuge war es der erste Todesfall nach mehr als 200 Mio. Kilometern, im sonstigen Straßenverkehr passiert dies etwa alle 100 Mio. Kilometer). Schon der Name „Autopilot“ suggeriert mehr, als das System halten kann. Wäre dann ein Vergleich mit den durchschnittlichen Unfällen mit einem Chauffeur angebracht, der Sie durch den Verkehr navigiert, während Sie sich auf dem Beifahrersitz oder im Fond entspannt anderen Dingen widmen? Schaltet ein Fahrer bei häufiger Nutzung eines Systems nicht irgendwann selbst vom Piloten (also dem achtsamen Fahren) auf Autopiloten (also dem flüchtigen Wahrnehmen)? Ist es sinnvoll, auf dem Zulieferer Mobileye zu verweisen und diesem den schwarzen Peter zuzuschieben, wenn dieser klar darauf hinweist, das seine aktuellen Systeme für eine solche Situation nicht ausgelegt sind?

So überzeugend ich die bisherige Entwicklung von Tesla fand, so wirksam und erfrischend deren Marketingmaßnahmen sind, um als junger Challenger den Markt zu erobern, so sehr hat sich mein persönliches Bild getrübt.

Wunsch und Wirklichkeit

Unternehmen müssen zwischen Wunsch und Wirklichkeit unterscheiden können. Nicht alles, was man sich wünscht, ist Wirklichkeit. Und: Marken müssen ihre Versprechen halten. Mein Vertrauen in die Marke Tesla ist getrübt. Der Kratzer ist groß.

Der Tesla-Vorfall ist aber auch ein Rückschlag für das autonome Fahren. Hier muss gelten: Sicherheit geht vor. Das Leben eines Fahrers, der sich auf die Technik verlässt, ist wichtiger als eine schnelle Entwicklung. Ein an Kunden outgesourcter Beta-Test eignet sich im Straßenverkehr nicht.

Sind deutsche Unternehmen langsam? Oder handeln sie gründlich und verantwortlich?

Ich höre immer wieder in vielen deutschen Unternehmen, dass es an Schnelligkeit mangelt, an Experimentierfreude, an der Bereitschaft etwas auszuprobieren. In Teilen stimmt dies ohne Frage. Aber die deutsche Mentalität ist geprägt durch Gründlichkeit, Sorgfältigkeit, das stetige Hinterfragen und Optimieren. Sicherheit ist uns wichtig, es ist ein Kernbedürfnis der Menschen. Es geht immer um die beste Lösung und das braucht seine Zeit. Dies ist sicher auch der Grund dafür, weshalb Mercedes-Benz und BMW nur solche Hilfen einführen, die wirklich funktionieren, und sich für autonomes Fahren noch mehr Zeit lassen, bis es perfekt ist. Ein Versprechen, das man als Marke gibt, muss man halten. Es geht darum, Bodenhaftung zu bewahren und nicht Unterluft zu bekommen. Was dann passiert, kennen wir ja aus Motorsport-Rennen.

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